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Strauss : Ariadne Auf Naxos - Großmächtige Prinzessin- (1916 version)
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ZERBINETTA
Großmächtige Prinzessin,
wer verstünde nicht,
Daß so erlauchter und erhabener
Personen Traurigkeit mit einem
anderen Maß gemessen werden
muß Als der gemeinen
Sterblichen. - Jedoch

Sind wir nicht Frauen, unter uns,
und schlägt denn nicht In jeder
Brust ein unbegreiflich’,
ein unbegreiflich’ Herz?

Von unsrer Schwachheit sprechen,
Sie uns selber eingesteh’n,
Ist es nicht schmerzlich süß?
Und zuckt uns nicht der Sinn danach?
Sie wollen mich nicht hören. ­Schön und
stolz und regungslos, als wären Sie die
Statue auf Ihrer eignen Gruft.
Sie wollen keine andere
Vertraute als diesen Fels und
diese Wellen haben?


Prinzessin, hören Sie mich an -
nicht Sie allein, Wir alle - ach,
wir alle - was Ihr Herz erstarrt
­Wer ist die Frau, die es nicht
durchgelitten hätte? Verlassen!
in Verzweiflung! ausgesetzt!
Ach, solcher wüsten Inseln
sind unzählige, auch mitten unter
Menschen, ich, ich selber, Ich
habe ihrer mehrere bewohnt ­
Und habe nicht gelernt, die
Männer zu verfluchen.


Treulos - sie sind's!
Ungeheuer, ohne Grenzen!
Eine kurze Nacht, ein hastiger Tag,
ein Wehen der Luft,
ein fließender Blick
verwandelt ihr Herz!
Aber sind wir denn gefeit
Gegen die grausamen,
entzückenden, die unbegreiflichen
Verwandlungen?

Noch glaub'ich dem einen ganz
mich gehörend, Noch mein ich mir
selber so sicher zu sein, Da mischt
sich im Herzen leise betörend
Schon einer nie gekosteten
Freiheit, Schon einer neuen
verstohlenen Liebe Schweifendes,
freches Gefühle sich ein!

Noch bin ich wahr, und doch ist es
gelogen, ich halte mich treu und
bin schon schlecht, mit falschen
Gewichten wird alles gewogen ­
Und halb mich wissend und halb
im Taumel Betrüg ich ihn endlich
und lieb ihn noch recht! Noch mein
ich mir selber so sicher zu sein,
Da mischt sich im Herzen
leise betörend Schon einer
neuen verstohlenen Liebe...


So war es mit Pagliazzo
Und Mezzetin!
Dann war es Cavicchio,
Dann Burattin,
Dann Pasquariello!
Ach, und zuweilen,
Will es mir scheinen,
Waren es zwei!
Doch niemals Launen,
immer ein Müssen!
Immer ein neues
Beklommenes Staunen:
Daß ein Herz sogar sich selber
nicht versteht,
Gar sich selber nicht versteht.


Rondo

Als ein Gott kam jeder gegangen,
Und sein Schritt schon machte
mich stumm, Küßte er mir
Stirn und Wangen;
War ich von dem Gott gefangen
Und gewandelt um und um.

Als ein Gott kam jeder gegangen,
Jeder wandelte mich um,
Küßte er mir Mund und Wangen,
Hingegeben war ich stumm.

Als ein Gott kam jeder gegangen,
Jeder wandelte mich um,
Küßte er mir Stirn und Wangen,
War ich von dem Gott gefangen
Hingegeben war ich stumm,
Hingegeben ah!

Kam der neue Gott gegangen,
Hingegeben war ich
stumm, stumm...

ZERBINETTA
Most gracious Princess,
who does not know
that for such an illustrious
and noble personage as
yourself grief must have a
different measure than for
common mortals. - Yet,

are we not all women underneath,
and does there not beat
in every breast an unfathomable,
unfathomable heart?

To speak of our weakness,
to confess it too ourselves,
is it not bitter-sweet? And does
not our heart thrill at it?
You do not wish to listen
to me ­beautiful and proud
and still, like' a statue on your
own tomb. You want no other
confidante, then, than these
rocks and waves'?


Princess, hear me out - not you
alone, but all - oh, all of us -
that which numbs your heart,
where is the woman who has
not suffered it? Forsaken! In
despair!' Marooned!
Oh, such desert islands
are numberless, even in the
midst of men, I, I myself,
I have inhabited such more
than once, and have never
learnt to curse men.


They are faithless!
Monstrous, knowing no bounds!
A brief night,
a hasty day,
a puff of air,
a fleeting second
transforms their heart!
But then, are we proof
against the cruel, delicious,
the inexplicable transformations?

Often when I believe I belong to
one man alone, when I feel
completely sure of myself,
there steals into my sweetly
deluded heart an
as-yet-untasted freedom,
a new and stealthy love,
roving, shameless emotions.

I am still true, and yet I am false,
I think myself good, and am
already bad, everything is
measured with false weights
and half self-knowing and
half in frenzy, I deceive him in
the end and yet love him truly!
Just when I feel completely sure
of myself, there steals into my
sweetly deluded heart
a new and stealthy love...


So it was with Pagliaccio
and Mezzetino!
Then it was Cavicchio,
then Burattino,
then Pasquariello!
Oh, and sometimes,
it seems to me,
there were two!
But never caprice,
always a compulsion,
always a new
tremulous wonder:
oh, that one's heart should
have so little understanding of
itself.


Rondo

Each one came like a god
and his very step bereft me of
speech, he had only to kiss my
brow and cheek, I was captive to
the god and became
transfigured.

Each one came like a god,
each one transported me,
when he kissed my lips and cheeks,
I surrendered without a word.

Each one came like a god,
each one transported me,
he had onlv to kiss my brow
and cheek, I was captive to
the god, I surrendered without
a word. Surrendered, ah!

When the new god approached,
I surrendered without a word,
a word...